Eine bewegte Geschichte

Eine bewegte Geschichte

Die DGzRS hat eine lange Historie in Laboe. Spuren der Anfänge sind noch heute sichtbar. Laboe gehört zu den ältesten Stationen der Seenotretter und ist die erste an diesem Teil der Ostseeküste.

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Unter Denkmalschutz: Der erste Rettungsschuppen befindet sich auf der Rückseite des Hafenpavillions (Ecke Strandstraße)

1894, ein Jahr vor der Fertigstellung des Nord-Ostsee-Kanals, richtet die DGzRS die Station vorausschauend ein. Durch den Kanal soll der Verkehr auf der Förde deutlich zunehmen.

Nicht zuletzt deshalb ist Laboe heute die einsatzreichste Station der Seenotretter.

Das erste Laboer Ruderrettungsboot erhält den Namen WALTER WOLFGANG ERNST. Finanziert wird es – damals nicht anders als heute – durch Spenden. Bertha Ernst übernimmt den Großteil der Kosten. Das Boot bekommt den Namen ihres auf See gebliebenen Sohnes.
Es wird einem massiven Stationsgebäude untergebracht. Zwei dieser ehemaligen Rettungsschuppen der DGzRS, zu erkennen an der typischen Backsteinbauweise mit den Doppeltoren und runder Aussparung für das Hansekreuz im Giebel, sind in Laboe erhalten. Sie stehen in der Nähe des Hafenplatzes an der Strandstraße beziehungsweise an der Hafenstraße.

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Das erste Ruderrettungsboot in Laboe: WALTER WOLFGANG ERNST im Sommer 1895

Erster Einsatz: Zwei Seeleute gerettet
Den ersten Einsatz fährt die WALTER WOLFGANG ERNST im März 1897 für das im Sturm gestrandete Ziegelstein-Frachtschiff „Dorothea“. Das schiffseigene Rettungsboot war „von der schweren See zerschlagen und fortgetrieben“, berichtet Vormann Lage.

Den Seenotrettern gelingt „trotz des sehr hohen Seeganges in nicht langer Zeit“ zunächst die Rettung des Matrosen und später auch die Bergung des Schiffes samt Kapitän in den sicheren Hafen.

Zur Jahrhundertwende wird Laboe Doppelstation: Neben dem Ruderrettungsboot gibt es nun einen Raketenapparat zur Hilfeleistung von Land aus. Ein Übungsmast wird errichtet.

In der Anfangszeit sind immer wieder kleine Fischerboote, größere Fischdampfer und Frachtschiffe, oft beladen mit Steinen und Zement, auf die Hilfe der Laboer Seenotretter angewiesen. Schon 1911 aber findet sich die erste „Lustjacht“, ein Wassersportfahrzeug, im Einsatztagebuch der Station.

Laboe erhält erstes Motorrettungsboot der DGzRS

Im gleichen Jahr unterstreicht die DGzRS die Bedeutung Laboes mit der Stationierung ihres ersten Motorrettungsbootes (28 PS).

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Technische Revolution: Das erste Motorrettungsboot OBERINSPECTOR PFEIFER.

Die OBERINSPECTOR PFEIFER wird benannt nach DGzRS-Inspektor Georg Pfeifer, der den Weg zur Motorisierung der Rettungsflotte geebnet hatte.

„Boot und Motor bewährten sich in der schweren See vorzüglich“, berichtet Vormann Schnoor nach dem ersten Einsatz. „So viel kann gesagt werden, daß mit einem Segelrettungsboot sich das Erreichte und Geleistete nicht hätte im entferntesten ausführen lassen.“

Technische Innovationen finden stets schnell ihren Weg nach Laboe. 1913 erhält die OBERINSPECTOR PFEIFER eine elektrische Lichtanlage samt Suchscheinwerfer. In den 1920er Jahren wird der Benzinmotor des Bootes durch ein robustes, zuverlässigeres Dieselaggregat (45 PS) ersetzt.

1933 kommt das Motorrettungsboot ULLA nach Laboe. Es ist gedeckt, bietet den Seenotrettern also besseren Schutz vor eindringendem Seewasser.

THEODOR HEUSS wurde 1957 in Anwesenheit des gleichnamigen Bundespräsidenten getauft und war von 1963 bis 1985 im Einsatz.
THEODOR HEUSS wurde 1957 in Anwesenheit des gleichnamigen Bundespräsidenten getauft und war von 1963 bis 1985 im Einsatz.

Die weiter verbesserten Einheiten SPIEKEROOG, HEINRICH WIESE und WESER folgen.

Vormann und Maschinist der WESER gehören zu den ersten fest angestellten Seenotrettern der DGzRS.

Mit der THEODOR HEUSS beginnt die Neuzeit

Mit der 20 Knoten (rund 37 km/h) schnellen THEODOR HEUSS, dem 1957 auf Borkum in Dienst gestellten ersten in Serie gebauten Seenotrettungskreuzer mit Tochterboot, beginnt 1963 in Laboe die Neuzeit.

Bei Außerdienststellung 1985 folgt ihr die BERLIN.

Seit 1985 ist der Seenotrettungskreuzer BERLIN in Laboe stationiert.
Die BERLIN in schwerer See

Einige Jahrzehnte lang waren in Laboe zwei Rettungseinheiten stationiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg war dies angesichts zunehmender Freizeitschifffahrt und des damals geringeren Aktionsradius der Boote sinnvoll. Als es dafür bereits seit längerer Zeit keine rettungsdienstliche Notwendigkeit mehr gab, wurde das neben der BERLIN in Laboe stationierte, von Freiwilligen gefahrene Seenotrettungsboot außer Dienst gestellt. Nach wie vor jedoch sind in Laboe sehr viele freiwillige Seenotretter auf der BERLIN im Einsatz – genauso wie schon vor fast 125 Jahren auf der WALTER WOLFGANG ERNST.

Erfahre mehr über die Geschichte der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger.